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Autor/Quelle: Prinz zu Hohenlohe-Langenburg | Datum: 15.12.2005 | Aktualisiert am 27.07.2006
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Unternehmensnachfolge: eine Alternative für Existenzgründer
Die Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge sind zur Zeit besonders günstig. Die Anzahl der mittelständischen Unternehmen, in denen sich die Nachfolgeregelung stellt, wird für Deutschland auf über 70.000 pro Jahr geschätzt. Unternehmensnachfolge bedeutet für den Käufer in vielen Fällen eine Existenzgründung.
Inhalt
- 1. Vor- und Nachteile einer Betriebsübernahme durch Unternehmensnachfolge
- 2. Worauf beim Unternehmenskauf zu achten ist
- 3. Begleitung der Unternehmensnachfolge durch einen Unternehmensberater
- 4. Vorbereitung der Unternehmensnachfolge
- 5. Verhandlungen und Übergabe
- 6. Gründe für das Scheitern einer Unternehmensnachfolge
- 7. Glossar
Unternehmensnachfolge aus Käufersicht
Die Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge sind zur Zeit besonders günstig. Die Anzahl der mittelständischen Unternehmen, in denen sich die Nachfolgeregelung stellt, wird für Deutschland auf über 70.000 pro Jahr geschätzt.
Unternehmensnachfolge bedeutet für den Käufer in vielen Fällen eine Existenzgründung. Dieser Artikel informiert darüber, wie eine Unternehmensnachfolge abläuft und was es zu beachten gilt.
1 Vor- und Nachteile einer Betriebsübernahme durch Unternehmensnachfolge
1.1 Chancen und Vorteile der Unternehmensnachfolge
Die Übernahme einer bestehenden Firma bringt viele Vorteile mit sich: Sie erwerben ein Unternehmen mit einem eingespielten Team an Mitarbeitern.
Standort, Räume, Betriebsinventar sind vorhanden und brauchen nicht neu aufgebaut werden.
Insbesondere profitieren Sie von einem bestehenden Vertriebssystem und einem bestehenden Kundenstamm. Kundenpflege spielt hier eine wesentliche Rolle
bei der Betriebsübernahme.
1.2 Risiken und Nachteile der Unternehmensnachfolge
Bei Betriebsübernahme ist das Unternehmen insbesondere auf die folgenden möglichen Risiken und Nachteile hin zu prüfen:
- Notwendige Investitionen
- Qualifizierung der Mitarbeiter
- Aktualität des Unternehmenskonzepts
- Verhalten der bestehenden Kunden
- Forderungs- und Warenbestand
- Haftung für bestehende Schulden
- und weitere im Detail zu untersuchende mögliche Risiken
2 Worauf beim Unternehmenskauf besonders zu achten ist
2.1 Inhabergeführte Unternehmen
Insbesondere Familienbetriebe sind stark geprägt vom Firmeninhaber selbst. Dessen Persönlichkeit und Firmenphilosophie übertragen sich auf die Mitarbeiter und Kunden. Hier gilt es zu untersuchen, ob der Interessent zum Unternehmen passt und inwieweit der spätere Käufer bei Mitarbeitern und Kunden eingeführt wird.
Andersherum können negative Einflüsse des Firmeninhabers durch die Persönlichkeit des Käufers und zukünftigen Firmenchefs aufgehoben werden. Eine entsprechende Imagekampagne kann ein leistungsfähiges Unternehmen noch besser am Markt platzieren.
Existenzgründer, die eine Firma übernehmen, möchten ggf. eigene Ideen verwirklichen und Akzente setzen. Hierbei ist zu untersuchen, inwieweit hierfür Akzeptanz bei den Mitarbeitern und am Markt besteht („Evolution statt Revolution”).
2.2 Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens
Das betrachtete Unternehmen sollte Planungen für die Zukunft bereitstellen. Nicht nur positive Ergebnisse in der Vergangenheit, sondern auch der Blick auf zukünftige Entwicklungen am Markt ist für den erfolgreichen Fortbestand des Unternehmens wesentlich.
Die Einschätzung kann sich auf technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen beziehen. Ein heute am Markt erfolgreiches
Unternehmen kann zum Beispiel durch technologische Entwicklungen von Mitbewerbern "überholt" werden.
Diese Veränderungen gilt es zu antizipieren und in die Überlegungen des Firmenkaufs mit einzubeziehen: Inwieweit ist das Unternehmen auf Veränderungen
eingestellt? Wie setzt sich die Qualifikation der Mitarbeiter zusammen? Ist das Unternehmen gerüstet für die Zukunft? Gestaltet es diese Veränderungen
aktiv mit?
2.3 Zusammensetzung des Kundenstamms
Wichtig für die Nachfolge ist die Frage nach den Kunden des Unternehmens: Wie sieht die Kundenstruktur aus? Ist die Firma von einigen wenigen (Groß-) Kunden abhängig?
3 Begleitung der Unternehmensnachfolge durch einen Unternehmensberater
Für die Interessenten von Unternehmen ist eine professionelle Begleitung der Betriebsübernahme entscheidend. Doch wie findet man einen guten Nachfolge-Berater?
3.1 Für Deutschland: Mitglied beim BDU
In Deutschland ist die Berufsbezeichnung "Unternehmensberater" nicht geschützt. Ein Anhaltspunkt für die Qualität eines Unternehmensberaters ist die Mitgliedschaft im Bundesverband deutscher Unternehmer (BDU).
3.2 Für Österreich: Fachverband der Wirtschaftskammer
Die österreichischen Unternehmensberater sind im Fachverband der Wirtschaftskammer „Unternehmensberatung und Informationstechnologie” zugelassen.
In Österreich ist die Berufsbezeichnung Unternehmensberater geschützt, anders als in Deutschland. Die Wirtschaftskammer wacht über die
Einhaltung des Berufsrechts, welches klare Regelungen in Bezug auf Qualifikation und Marktzugang beinhaltet.
Alle Mitglieder sind seit mindestens drei Jahren beratend tätig und verfügen über umfangreiche Spezialkenntnisse in diesem Bereich. In
den Jahren seines Bestehens hat sich der Fachverband intensiv mit der besonderen Problematik rund um die Unternehmensgründung, mit dem Aufbau und
der Entwicklung von Unternehmen sowie mit Fragen der Übernahme von bestehenden Unternehmen beschäftigt. Unternehmensbewertung steht im Mittelpunkt
des intensiven Fachaustausches des Bereiches „Übergabeconsulting”.
4 Vorbereitung der Unternehmensnachfolge
4.1 Unternehmensdarstellung
Zur Vorbereitung der Unternehmensnachfolge gehört eine aussagekräftige Unternehmensdarstellung. Dieses sogenannte Verkaufsmemorandum liefert den Interessenten einen ersten Eindruck über das zum Verkauf stehende Unternehmen.
Es beinhaltet zum Beispiel:
- Firmenbroschüre
- Fotos zum Unternehmen
- grobe wirtschaftliche Übersicht
- Benennung der wichtigsten Vertragspartner
- Firmenhistorie
- Standortbeschreibung
4.2 Unternehmensbewertung
Es ist nicht leicht, den Wert eines Unternehmens zu beurteilen. Verschiedene Analysemethoden können als Basis zur Bestimmung des Unternehmenswertes
herangezogen werden. In Übereinstimmung mit dem IDW-Standard bestimmt sich der Unternehmenswert bzw. der Zukunftserfolgswert als Barwert der Nettozuflüsse
an die Unternehmenseigner.
Dieser ist in der Regel zu ermitteln nach dem Ertragswertverfahren:
Diskontierung der künftig zufließenden finanziellen Überschüsse aus der (handelsrechtlichen) Ertragsüberschussrechnung
sowie dem Discounted-Cashflow-Verfahren (DCF):
Durch Diskontierung von Cashflows, was den erwarteten Zahlungen an die Kapitalgeber als den wesentlichen, die Gesamtheit der Funktionsbereiche des Unternehmens behandelnden Verfahren entspricht.
Weitere mögliche Verfahren:
Multiplikator-Verfahren: Diese dienen vereinfachten Wertermittlungen und zur Plausibilisierung zum Beispiel des Ertragswertverfahrens.
- Liquidationswert: Dieser wird angesetzt, wenn er den Fortführungswert übersteigt
- Substanzwert: Diesem kommt keine eigenständige Bedeutung mehr zu. Er wird definiert als Gebrauchswert der betrieblichen
Substanz bzw. Rekonstruktions- oder Wiederbeschaffungswert aller Werte und Schulden.
Stuttgarter Verfahren: steuerliches Verfahren insbesondere zur Bewertung von Kapitalgesellschaften in Schenkungs- und Erbschaftssteuerfragen
Kombinationsverfahren: Kombination aus Substanz- und Ertragswert. Diese Verfahren werden von den Unternehmensberatern auf entsprechenden Kundenwunsch hin – ebenso wie die zuvor erwähnten weiteren Bewertungsmethoden – eingesetzt.
4.3 Käufersuche
Wie kann ein Unternehmen nun einen Nachfolger finden?
Zum Beispiel über:
- Freunde
- IHK
- Unternehmensmarkt
- Wirtschaftsmagazin
- Mergers & Acquisitions
- Hausbank
- über das Internet
Wichtig für den Verkäufer: möglichst wenig Aufsehen am Markt zu erregen, da dies einerseits die Kunden verunsichern kann, andererseits der Unternehmenswert geschmälert wird.
Deshalb ist eine gute Vorbereitung, die professionell begleitet wird, ein wichtiger Erfolgsfaktor. Kriterien für den richtigen Nachfolger hinsichtlich seiner Qualifikation:
- Fachliches Potential
- Persönliches Potential
- Unternehmerisches Potential
5 Verhandlungen und Übergabe
5.1 Vertraulichkeitsvereinbarung
Zu Beginnn der Verhandlungen übergibt der Verkäufer dem Interessenten eine Vertraulichkeitserklärung. Der Interessent ist zum Schadensersatz verpflichtet, wenn er die ihm anvertrauten firmeninternen Daten an Dritte weitergibt.
5.2 Finanzierungsnachweis des Käufers
Neben dem passenden Anforderungsprofil für den Nachfolger muss die Finanzierung der Unternehmensnachfolge seitens des Käufers gewährleistet
sein. Deshalb ist es notwendig, den potentiellen Käufer auf seine Finanzkraft hin zu überprüfen.
In den meisten Fällen hat der potentielle Nachfolger nicht genügend Eigenkapital, um den Kaufpreis aus eigenen Mitteln aufzubringen. Durch die
staatliche Förderung von Existenzgründern wird in vielen Fällen eine Finanzierung möglich.
Nachfolge-Berater werden gemeinsam mit dem Nachfolger und dessen Rechtberatern eine Finanzierungslösung erarbeiten. In der Regel sind mindestens
15 % Eigenkapital notwendig.
5.3 Übernahme-Konditionen und Kaufvertrag
Sind auf Basis der Unternehmensdarstellung und -bewertung auf Verkäuferseite und die Finanzierung sowie das Anforderungsprofil auf Käuferseite
geklärt, werden die Übernahme-Konditionen festgelegt.
Ergebnis ist ein rechtssicherer Kaufvertrag, an den beide Seiten gebunden sind.
6 Gründe für das Scheitern einer Unternehmensnachfolge
6.1 Missachtung der Firmenkultur
Jedes Unternehmen ist ein eigener Mikrokosmos, der im Laufe der Jahre gewachsen ist. Es entwickelten sich Umgangsformen und Gepflogenheiten in den Kontakten zu den Mitarbeitern und Geschäftspartnern.
Notwendige Veränderungen, die der neue Firmeninhaber herbeiführt, müssen so eingeleitet werden, dass sie vom gesamten Unternehmen getragen werden. Maßnahmen, die die Firmenkultur verändern, müssen sorgfältig durchdacht und transparent kommuniziert werden.
6.2 Mangelhafte Prüfung des gekauften Unternehmens
Je größer das zum Verkauf stehende Unternehmen ist, desto wichtiger ist eine sorgfältige und umfangreiche Prüfung. Dazu dient die Due Diligence: Das Unternehmen wird möglichst lücklos auf versteckte Risiken geprüft. Diese Prüfungen beziehen sich auch auf Dinge im Unternehmen, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.
6.3 Zukunftsaussichten des Unternehmens
Ein Unternehmen, das gegenwärtig am Markt erfolgreich tätig ist, bietet noch keine Gewähr für den zukünftigen Erfolg. Es ist zu untersuchen, inwieweit die Firma zum Beispiel hinsichtlich technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen auch in der Zukunft für den Markt gerüstet ist.
7 Glossar
7.1 Data Room
Der Data Room ist ein Raum, in dem der Unternehmensverkäufer alle relevanten Unterlagen für den Interessenten bereitstellt. Dies sind zum Beispiel Versicherungsverträge, Arbeitsverträge, Kundendaten, betriebswirtschaftliche Unterlagen der vergangenen Jahre.
7.2 Due Diligence
Due Diligence bedeutet so viel wie "vorsichtiges Annähern". Ziel ist es, möglichst lückenlos festzustellen, worauf sich der
Käufer bei der Betriebsübernahme einlässt. Risiken werden sorgfältig analysiert und geprüft.
Ergebnis: Chancen und Risiken sowie eine Stärken- und Schwächenanalyse.
7.3 Letter of Intent
Der Letter of Intent ist eine Absichtserklärung des Käufers, das Unternehmen bei Finanzierungszusage der Bank zu erwerben. Es handelt sich
hierbei um eine vorvertragliche Verpflichtung, die keine rechtliche Bindungswirkung entfaltet.
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suzanne
Interessant und aufschlussreich beschrieben, gute Informationen.
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